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- Tödliche Präsenz Gottes in Dreck und Wasser
Ihr Gott hat soeben ihre Kinder auf abscheuliche Weise im Guadalupe River ertränkt , 27 aufs Mal – und zu diesem Mädchenmörder-Gott beten sie weiter, in Texas, in ganz Amerika. Man versuche, sich vorzustellen, welch letzte Minuten und Sekunden ihr Gott ihren Kindern bescherte: Das Dreckwasser donnert, es ist stockdunkel. Das Kind, aus einem sogenannt christlichen Sommerlager für Mädchen ( «Camp Mystic» ) weggeschwemmt, versucht vielleicht, sich an einem Ast, einem Pflock oder einer Stange festzuhalten, doch die Strömung reisst es mit. Die kleinen Hände werden blutig geschürft. Gott lenkt einen im Fluss schlingernden Baum hin zum Kind, der ihm ein Bein zertrümmert. Der Herr erlaubt dem schon halb ersoffenen Kind, ein bisschen letzte Luft zu schnappen, sobald eine Welle es nach oben wirft. Das Mädchen schluckt entsetzlich übles Wasser, das seine Schreie des Todeskampfs erstickt. Vielleicht schickt der Herr noch ein Auto oder ein halbes Haus vorbei, die ihm den Kopf blutig schlagen. Gott macht seinem grausamen Spiel dann doch ein Ende: Das Kind verliert endlich das Bewusstsein. Gott, in seiner Gnade, ersäuft es vollends. Schliesslich lässt er den gemarterten Rest des Mädchens ein paar Meilen flussabwärts driften; es prallt gegen Felsen, bekommt an einem Brückenpfeiler, einem Balken oder einem Baum ein paar Knochen gebrochen oder den Schädel gespalten. Die von Gott, dem All-Liebenden, geschundene Leiche bleibt irgendwo hängen. Dreck staut sich auf am leblosen Leib, Geröll und Geschiebe, die das Kind rasch begraben. Der Sturm tobt weiter, mehr Regen fällt. Wenn das Wasser nach Stunden allmählich verebbt, steckt das angeblich von diesem Gott ins Leben gerufene, alsbald von ihm umgebrachte Geschöpf womöglich metertief unter dem Schutt - und wird, wer weiss, nie gefunden. «Camp Mystic» schreibt: «Möge der Herr uns alle weiterhin in Seine Präsenz einhüllen». Kann dieser Satz etwas Anderes sein als ein Aufruf zum Weitermorden? Ich weiss: ...unergründliche Weisheit, Prüfung des Glaubens..., der ganze jahrhundertealte Quatsch, das von alten Männern erfundene Geschwätz... Was für ein böser Geist, der 27 Mädchen aus dem Schlaf reisst, um sie unter Wasser und Dreck zu ersticken, pardon, in Seine Präsenz einzuhüllen. Solange derlei Geschehen Anlass zum Gebet ist, muss die Menschheit als gestörten Geistes gelten. Oder, auf gut Englisch: We are screwed.
- ‘Kaste’ evoziert Indien – besser an die USA denken!
Die Erfindung von ‘Rasse’ Wer durch Manhattan schlendert, die Hochhäuser bestaunt und darin Wohlstand und Macht gespiegelt sieht, sollte daran denken, dass New York in früheren Zeiten enorm von der Sklaverei im Süden profitiert hatte. Nicht nur war der Ort einst Landestelle und Handelsplatz für den Import von Sklaven und deren Verkauf, sondern New York gedieh zu einem der wichtigsten Dienstleistungszentren für die Sklavenwirtschaft der Südstaaten. Diesen fehlte es nicht nur an Häfen für den Export von Baumwolle nach England, sondern auch an Kapital und Knowhow, das für internationalen Handel erforderlich war. New Yorker Banken, Versicherungen, Händler und Reedereien übernahmen die von kleineren Schiffen hergebrachte Ware und wickelten Hochsee-Transport und Weiterverkauf nach Liverpool ab. New York and its slavery past [Image generated by AI model Gemini] Auf diese Weise häufte die junge Republik enormes Kapital an, das zur Industrialisierung und zur Erschliessung der Weiten Nordamerikas wesentlich beitrug. Baumwolle war lange das mit Abstand wichtigste Exportgut. Ein Vierteljahrtausend Sklaverei (246 Jahre, von 1619 bis 1865) ist das Fundament, auf dem die USA heranwuchsen. Vielleicht erklärt dies, warum fast alle Sklaven und deren Nachfahren bis heute amerikanischem Patriotismus genauso huldigen wie die Weissen, ihre Peiniger. Die damals auch von Präsident Lincoln unterstützte Idee, die Schwarzen – Sklaven wie Freie – ‘zurück nach Afrika’ zu schicken, stiess auf keinerlei Resonanz. Die nach Amerika zwangsverfrachteten und während zweieinhalb Jahrhunderten aufs Blut ausgebeuteten Schwarzen sahen sich bald als Amerikaner – eine Haltung, die von den Weissen als Frechheit, Beleidigung und Irrsinn empfunden und mit gewohnt christlicher Brutalität bekämpft wurde. Die Schwarzen hingegen wissen genau, wie unermesslich ihr Beitrag zum Aufstieg dieses Landes war, ein Beitrag, der kaum je offiziell anerkannt wird. Daher kann man New York beliebig oft besuchen und wird kaum je darauf gestossen, welche Rolle die Sklaverei in der Geschichte der Stadt spielte. Ein gewisser Immobilienhändler aus New York tat sich vor nicht allzu langer Zeit damit hervor, dass er behauptete, der damalige Präsident, Barack Obama, sei kein Amerikaner und damit illegitimer Bewohner des Weissen Hauses. Weisse mögen darin einen vom Zaun gebrochenen Konflikt um eine Geburtsurkunde gesehen haben, für Schwarze hingegen war die Botschaft klar: Schwarze können keine Amerikaner sein – per Definition der Weissen. Sie sollten verschwinden von hier, zurück nach Afrika. Das war immer schon so... Jener Immobilienhändler trompetete sich mit seiner MAGA-Botschaft selbst ins Weisse Haus. Ahnungslose Weisse mögen tatsächlich ‘Make America Great Again’ hören, Schwarze hingegen verstehen die Botschaft auf Anhieb: Make America WHITE again: Amerika war ‘great’, solange die Schwarzen, nicht aufzumucken vermochten und wegen permanenter Androhung von tödlicher Gewalt hinnahmen, wo ihr Platz war: zuunterst, wo es für sie weder Recht noch Gesetz gab. Eine nützliche – um nicht zu sagen, unerlässliche – Verschiebung des traditionellen Standpunktes historischer Betrachtung hilft zu verstehen, welch säkulare Kräfte hier am Werk sind. Im Buch ‘Caste’ (‘Kaste’) beschreibt die Journalistin und Autorin Isabel Wilkerson, wie Martin Luther King schockiert war, als er bei einem Besuch in Indien als ‘Unberührbarer’ begrüsst wurde. Die 'Unberührbaren' Indiens (Dalit) stecken am untersten Ende des indischen Kastensystems fest. Nach anfänglicher Empörung dämmerte es King, dass die Schwarzen in Amerika tatsächlich in einen vergleichbaren Status relegiert waren: 250 Jahre Sklaverei, 100 Jahre weisser Terrorismus, Apartheid und legalisierte Diskriminierung – unberührbar auf amerikanische Art. Die KI Gemini von Google ist erstaunlich. Ich habe dort zwei Mal ein Bild in Auftrag gegeben, das Hochhäuser auf einem Friedhof zeigen sollte, und einen funkelnden Himmel als Verheissung. New York also, die Stadt auf dem 'killing field Slavery', die nicht zuletzt dank unbezahlter Sklavenarbeit von einem Dutzend Generationen Schwarzer zu dem wurde, was wir heute bestaunen. [Image generated by AI model Gemini] Laut Wilkerson etablierten sich die frühen christlichen Kolonisatoren aus Europa sofort als obere Kaste, wo Macht, Wahrheit und Schönheit monopolisiert waren. Ureinwohner und Schwarze galten als Untermenschen. Rasse wurde dazu ‘erfunden’, um die einzelnen Menschen nach vermeintlich unanfechtbaren Kriterien in die ihnen geziemende Kategorie einzuteilen. Europäer galten als weiss, ob blonde Schweden oder braune Sizilianer. Wilkerson schreibt, Tschechen, Ungarn oder Polen seien aus Europa als Polen, Ungarn oder Tschechen abgereist, bei der Ankunft in Amerika aber augenblicklich zu Weissen mutiert. Hier die Version von ChatGPT. Ebenfalls sehr gelungen, finde ich. Düster... Niemand sei weiss gewesen, ehe er oder sie nicht nach Amerika gekommen sei, zitiert sie den schwarzen Schriftsteller James Baldwin . Dies erlaubte es dem sozial Geringsten unter den Weissen, sich dem sozial Höchsten der Schwarzen überlegen und sich zu dessen Meister und Herrscher berufen zu fühlen. Black lives matter.
- Verkürzte Welt- und Geschichtsbilder
"Die Hölle existiert" Geniale Männer wie Washington, Jefferson und Madison führten britische Kolonien in Nordamerika in die Unabhängigkeit, brachten sie in den Vereinigten Staaten zusammen und hielten diese säkular. Sie waren jedoch unvermeidlicherweise beschränkte Kinder ihrer Zeit. In ihrem geistigen Universum war «Man» – wie in «All men are created equal» – ein männliches Wesen weisser Rasse, vorzugsweise eines mit Besitz. Schwarze waren Sklaven, nicht Menschen mit Rechten; Frauen und Ureinwohner Amerikas kamen nicht vor. «Unbedeutende» Sklaverei Die auf konservativer Seite häufige Berufung auf die Gründerväter zu politischen Zwecken ist daher insofern gedankenlos, als sie die Sklaverei und anderweitige Rechtlosigkeit eines grossen Teils der Einwohnerschaft zu übersehen pflegt. Diese besondere Art von Blindheit führte etwa dazu, dass Bob McDonnell, der Gouverneur von Virginia – einem Südstaat – 2010 «vergass», aus Anlass eines Jahrestags des Sezessionskriegs die Sklaverei zu erwähnen. Diese sei «unbedeutend» gewesen, sagte er später rechtfertigend, ehe er sich genötigt sah, um Verzeihung zu bitten. Die Gründerväter für ihre Unterlassungen zu verurteilen, wäre ahistorischer Unsinn; ihre Versäumnisse aber nicht permanent zu reflektieren, heisst, Unrecht zu perpetuieren. Es erwies sich, dass die Gründer die Basis für eine offene Gesellschaft gelegt hatten. Sie erreichten religiöse Toleranz, laut dem Historiker Joseph J. Ellis nicht so sehr aus Prinzip als dazu, die Dominanz einer der vielen Glaubensrichtungen über die anderen und die Nicht-Religiösen zu verhindern. Im Gegensatz zu vielen Revolutionen anderswo frass die amerikanische ihre Kinder nicht – ein Verdienst führender Köpfe, die einen Bürgerkrieg zu verhindern wussten und laut Ellis die Entwicklung in evolutionären Begriffen dachten. In Amerika sind stets starke Kräfte am Werk, die dezidiert nach rückwärts orientiert sind. Sie sind bei weitem keine Mehrheit, aber dank unerschütterlichem Glauben und guter Organisation sehr tatkräftig. Viele Konservative akzeptieren de facto die offene Gesellschaft nicht. Wo ihre Begehren scheitern, fühlen sie sich ungerecht behandelt. Ihre Gewissheit mag zurückgehen auf das in der Gründerzeit abgelehnte Postulat einer kleinen Minderheit, die Vereinigten Staaten seien als «christliche Nation» zu definieren. Anspruch auf «Rückholung» Viele Konservative und Republikaner sind der Überzeugung, man habe ihnen ihr Land weg genommen. Sie geben sich gewiss, eine Art permanent verfolgter Minderheit zu sein. Daher ist die moralisch fordernde Figur des «taking back» ein Leitmotiv: Wir holen uns zurück, was rechtens uns gehört. Als Usurpatoren und als Zersetzer christlicher Lebensart gelten in dieser Weltsicht Säkularisierte, Ungläubige, Schwule und Lesben, die auf gleichen Rechten für alle bestehen; Leute, die Sexualkunde-Unterricht in der Schule befürworten, die ein Verbot der Abtreibung oder die Todesstrafe nicht für das klügste Mittel halten, um Leben zu schützen; Leute, deren Spiritualität im Gegensatz zu vielen konservativen Kleingläubigen von wissenschaftlicher Erkenntnis beflügelt, nicht entzaubert wird. Als Usurpatoren gelten vielen Leuten am rechten Rand auch Schwarze – die Nachkommen der Sklaven. Das 1973 gefällte Urteil des Obersten Gerichtes, das die Legalität der Abtreibung bestätigte, ist jenes zentrale Ereignis, das die Konservativen umtreibt. Es ist legitim, das Urteil für falsch zu halten und auf eine Revision zu drängen. Doch verabsolutieren viele Abtreibungsgegner ihren Standpunkt und fühlen sich berufen, ihr Anliegen unablässig in jedem Zusammenhang einzubringen. Viele schrecken nicht davor zurück, wenig begüterten Frauen der Möglichkeit zu berauben, sich unentgeltlich beraten und pflegen zu lassen, falls Abtreibung als Option im Angebot ist – selbst dann, wenn die erforderliche Behandlung mit Abtreibung nicht das Geringste zu tun hat. Die Tea Party ist eines der Sammelbecken jener, die «our country» zurückholen wollen. Ebenso rufen viele zum «taking back our Government» auf. Die Anhänger der Tea Party sind kaum alles unverbesserliche Rassisten, aber ihre einseitige Sicht der Geschichte Amerikas kommt rassistischem Verhalten gleich. «Taking back our Government» hat eine besondere Dissonanz bekommen, seit erstmals ein Schwarzer Präsident der USA geworden ist. Der Ruf impliziert Illegitimität, besonders wenn er mit den gegen jede Vernunft geschürten Zweifeln an Barack Obamas amerikanischer Staatsbürgerschaft verknüpft ist. Und er blendet wieder aus, dass es fast zweihundert Jahre dauerte, ehe Jeffersons «Man» schwarzer Hautfarbe sein konnte und «trotzdem» alle bürgerlichen Rechte geniesst, wenigstens in der Theorie. Dieses säkulare Versagen weisser, christlicher Eliten müsste patriotischen Stolz eigentlich dämpfen und die Gewissheit der stets behaupteten Sonderstellung der USA in der Weltgeschichte erschüttern. Biblische Astronomie Das «taking back» kann sogar Astronomie betreffen. Diese steht dabei für Wissenschaft, verstanden als Irrweg und Hybris des menschlichen Geistes, als Abweichung von der von Gott geoffenbarten Erkenntnis. «Taking back Astronomy» wird im «Creation Museum» in Petersburg, Kentucky, vorgeführt. Das unter konservativen und religiösen Familien populäre Museum will den Beweis führen, dass die Bibel wörtlich zu verstehen sei. Demnach geht aus der Schrift hervor, dass Gott vor rund 6015 Jahren alle Dinge und alle Wesen binnen 6 Tagen schuf. Die Vertreibung aus dem Paradies sei 1000 Jahre später geschehen, und es sei 4350 Jahren her, dass Noah wegen der Sündflut alle Lebewesen in seine Arche packte. Adam und später Eva lebten laut dieser kindisch-niedlichen Weltsicht mit Dinosauriern und Affen, Trilobiten und Hirschen zusammen, ehe «Korruption» in Form des Bisses in den Apfel vom Baum der Erkenntnis einsetzte. Drogensucht, Pornografie, zwanghaftes Spielen von Video-Games sowie Abtreibung seien Folge davon, dass sich der Mensch von Gott und dessen Wort abgewandt hat. Diese Sektion des Museums ist in bunkerartigen Gängen aus nacktem Beton untergebracht. Viele Exponate kommen in wissenschaftlichem Schein daher. Zwar wird im Rahmen des «Taking back Astronomy» nicht die von der Wissenschaft erhobene Grösse des Universums bestritten, sehr wohl jedoch das Argument, Licht könne nicht Milliarden von Lichtjahren zurückgelegt haben, wenn die Schöpfung erst gerade vor jugendlichen sechs Jahrtausenden geschah. Zu früh für Inzest Es ist denkbar, dass die Initiatoren des Museums dessen Botschaft nicht ernst meinen, sondern dieses eher als ein Instrument dazu verstehen, bibelgläubige Leute bei der Stange zu halten, sie gegen säkulare Einflüsse aller Art zu impfen und allfällige Zweifel zu beseitigen. Warum erlaubte es Gott Kain, dessen Schwester heiraten? Da so kurz nach der Schöpfung noch keine genetischen Mutationen geschehen sein konnten, war Kains inzestuöse Verbindung laut der Darstellung im Museum ungefährlich. Die Evolution wird nicht direkt geleugnet: Gott schuf den Ur-Schmetterling, den Ur-Fink und den Ur-Fisch, von dem alle Schmetterlinge, alle Finke und Fische abstammen. Das ist zwar laut aller wissenschaftlichen Einsicht Unsinn, aber clever argumentiert: Das Publikum zeigt sich beeindruckt. Der «Evangelikale» oder «wiedergeborene Christ» definiert sich durch den Glauben an den Wortlaut der Bibel; diese gilt ihm als «absolute Autorität». Dieser primitive und gefährliche Standpunkt impliziert das Gegenteil einer offenen Gesellschaft. Wie stark die Evangelikalen in den USA sind, lässt sich daran ermessen, dass die Republikanische Partei gegen Exzesse solcher Strömungen nie ein Wort verliert, da sie auf diese Wählerschicht nicht verzichten will. Die marktwirtschaftliche Orientierung der Republikaner bedeutet keineswegs, dass diese im europäischen Sinne Liberale wären. Das «Recht» der Eindringlinge Das evangelikale Weltbild kann nur rückwärts gewandt sein, oder vorwärts allenfalls in Erwartung des angeblich reinigenden Weltendes. «Hell is real» (Die Hölle existiert), verkündet eine Tafel an der Autobahn zwischen Columbus und Cincinnati in Ohio, unweit des «Creation Museum». Aufklärung und Humanismus im Erbgut der USA verhinderten nicht die rücksichtslose Vernichtung der Kulturen der Ureinwohner Amerikas – und allzu oft die völkermörderische Vernichtung der Ureinwohner selbst. Deren Weltbild erscheint im Vergleich zu jenem der Evangelikalen als weniger abwegig. Dies ist vor allem im hohen Norden, in Kanada und in Alaska, insofern kaum eine Überraschung, als die prekären Lebensumstände es nicht gestatten, sich in weltfremden Modellen der eigenen Existenz zu verlieren. Zwar haben christliche Missionare unter Indianern und Ureinwohnern des Nordens manchmal auch das Bewusstsein für Menschen- und Bürgerrechte geweckt, doch überwiegend trachteten sie danach, die einheimische Kultur abzuwürgen. Sie waren erfolgreich. In der politischen Diskussion spielen die Ureinwohner Amerikas in den USA keine Rolle. Es wirkt, als müsste man ins Museum gehen, um auf Respekt und Würdigung zu stossen. Das Museum von Anchorage in Alaska ist eine jener Institutionen, wo fast schmerzlich viele Zeugnisse für deren Überlebenskampf zusammengetragen wurden. Dieser Überlebenskampf geht weiter. In Alaska gilt es laut der Smithsonian Institution – einer anerkannten Grösse amerikanischer Vergangenheitspflege – als keineswegs sicher, dass die sogenannten Alaska Natives als eigenständige Völker überleben. Viele Sprachen seien bereits verloren. So weiss man, dass seit dem Tod von Mary Smith-Jones, die den Titel «Honorary Chief» trug, niemand mehr Eyak als Muttersprache spricht. Der Name der 2008 gestorbenen Frau ist ein Indiz für das Vorgehen der Missionare: Sie unterdrückten einheimische Namen und hängten Eingeborenen beliebige christliche an. Indianern und Alaska Natives wurde nicht nur das von ihnen bewohnte und genutzte Land weggenommen, sondern sie waren gemäss dem «Recht» weisser christlicher Männer im Gegensatz zu jedem hergelaufenen Schatzgräber auch nicht befugt, Schürfrechte für Gold oder andere Bodenschätze zu erwerben. Erst acht Jahre später als weissen Eindringlinge gewährte die ferne Regierung der USA den Eingeborenen 1906 das «Recht», staatliches Land zugeteilt zu erhalten – Land, das ihre Vorfahren seit Jahrtausenden genutzt hatten. Es war den Alaska Natives in Alaska nicht erlaubt, vor Gericht gegen Weisse Zeugnis ablegen. Sie mussten vor Lehrern und Richtern «beweisen», dass sie sich von ihrer Herkunft und den Bräuchen ihrer Vorfahren losgesagt hatten, um ihre Kinder in die Schule zu schicken oder das Wahlrecht zu erhalten. Und ausserhalb des Englischen und des Christentums gab es kein Heil, wurde ihnen eingebleut. Immerhin wurden sie in Alaska nicht, wie sonst in den USA, in Reservate gedrängt, sondern erhielten 1971 als Aktionäre von Korporationen kollektiven Besitz und Nutzen eines Teils des Landes. Eine wiedergeborene Eingeborene Diverse Völker des hohen Nordens empfanden Menschen und Tiere als gleichen oder verwandten Ursprungs; die Evolutionslehre gibt ihnen Recht. Sie waren davon überzeugt, dass gejagtes Wild sich erlegen liess, um Menschen das Überleben zu ermöglichen. Daher wurden Tiere geachtet. Jäger der Tr'ondëk Hwëch'in in Yukon im heutigen Kanada waren darum besorgt, keine Spuren zu hinterlassen und die Würde der getöteten Kreatur nicht zu verletzen. Die Tlingit, ursprünglich ein Handel treibendes Volk der Küste im heutigen Südosten Alaskas, warfen nicht genutzte Knochen erlegter Biber ins Wasser, um zu verhindern, dass Hunde darüber herfielen. Die Ureinwohner sahen sich als dem Land zugehörig, das sie nutzten; sie sahen sich nicht als dessen Besitzer. Die weissen Neuankömmlinge vermochten nie zu begreifen, dass ohne eine solche Weltsicht das Überleben nicht möglich gewesen wäre, noch dass dieses Überleben vielleicht gottgefällig war. «I am a born-again Native», sagt eine Frau in einer Video-Dokumentation im Museum von Anchorage. Laut dieser «wiedergeborenen Eingeborenen» gehen Konzepte des Weltverständnisses der Alaska Natives verloren, wenn man sie Englisch ausdrückt. Paul Ongtooguk, ein Inupiak (Eskimo) beschreibt seine Rückkehr zur eigenen Herkunft so: «Allmählich begann ich, durch den Schleier des Schweigens hindurch zu sehen, der unsere Geschichte und Kultur zudeckte. Und erst ausserhalb der Schule erfuhr ich, dass wir ein mutiges und erfinderisches Volk sind, das unter harschen Umständen ein reichhaltiges Leben zu entwickeln wusste.» Die weissen Kolonisatoren waren in dieser Hinsicht blind und taub. [2008, Copyright Neue Zürcher Zeitung www.nzz.ch ]
- Amerika auf dem Weg in die Autarkie
Trumps Rezepte aus dem vorletzten Jahrhundert Nun wissen wir endlich, wie hoch die Zölle sein werden, die Präsident Trump erhebt, um die privaten Firmen dazu zu zwingen, in den Vereinigten Staaten zu produzieren. Dabei ist das vom Ziel gemalte Bild, wie immer bei Trump, ein Klecks, ohne Nuancen und Schattierung. Die Rede ist nicht davon, High-Tech-Produktion «zurückzuholen», sondern generell die Weltwirtschaft im Interesse der USA umzukrempeln. Somit sollen auch die Textilfabriken aus Bangladesh nach Amerika umsiedeln. Deren Vorläufer säumten im 19. Jahrhundert den Broadway in Manhattan. Die Sprecher Trumps, etwa der für den Handel zuständige Minister Howard Lutnik, singen ein Klagelied darüber, wie die USA von ihren Handelspartnern jahrzehntelang ausgenutzt, übers Ohr gehauen und geschröpft worden seien. Das steht in niedlichem Kontrast zu den üblichen Selbstdarstellung Amerikas, wonach das Land das beste, reichste, stärkste, innovativste und mächtigste in der Geschichte der Menschheit ist. Nun sollen die amerikanischen Konsumenten also für alles erst einmal höhere Preise bezahlen, denn das ist die Kehrseite davon, die in Jahrzehnten dank Globalisierung gewachsenen internationalen Lieferketten zu zerreissen. Sie sollen - als Arbeitnehmer - auch tiefere Löhne beziehen, denn anders lassen sich Turnschuhe, billige Möbelstücke und künstliche Weihnachtsbäume im Hochlohnland Amerika nicht produzieren Es ist legitim, die Globalisierung und deren Wirkungen in Frage zu stellen oder gar demontieren zu wollen. Mit seinen umfassenden, als Strafe und Mittel der Erpressung gedachten Zöllen signalisiert Trump, dass er an Autarkie glaubt. Möglichst alles soll in den USA produziert werden. Früher hiess derlei Import-Substitution. Diese ist, vor allem in der einstigen Dritten Welt, unzählige Male in Stellung gebracht worden - und hat nie funktioniert –, siehe zum Beispiel Argentinien und viele Länder in Afrika. Diese Politik ist immer auch verbunden mit unbeschränkten Möglichkeiten zu Manipulation und Korruption – genau, was Trump frommt, sieht er sich doch als Ober-Geschäftemacher. Er kann in privaten Gesprächen hier einen Nachlass anbieten, dort zusätzliche Zölle oder Auflagen androhen. So funktioniert in seinen Augen die Welt, und er fühlt sich dazu berufen, Gewinner und Verlierer zu bestimmen. Das ist also das Rezept, das Trump der ökonomisch und technologisch führenden Wirtschaft des Planeten verschreibt: rabiater Protektionismus. Und dies an der Schwelle zu einem neuen Schub von Automatisierung, die von Künstlicher Intelligenz zu erwarten ist. Wenn Trump ein Handelsbilanzdefizit sieht, weiss er sogleich, dass Handlungsbedarf besteht. Aber nicht im Sinne freieren Handels, sondern hin zu einer Abschottung Amerikas. Auf dem Weg zu einem Amerika, das wieder mehr T-Shirts und billige Schuhe produziert, nimmt der Präsident das Risiko in Kauf, die Wirtschaft in eine Rezession zu drängen. Es wäre die erste in Amerika, die je auf so eklatante Weise von einem einzigen Politiker verursacht worden wäre. Man kann wählen zwischen ökonomischer Ignoranz oder blosser Verblendung, um abzuwägen, warum Trump mit seinen Zöllen ein solch hohes politisches Risiko eingegangen ist. Es ist völlig ausgeschlossen, dass in nennenswerter Zahl moderne Fabriken aus dem Boden schiessen, ehe in 19 Monaten die nächsten Kongresswahlen stattfinden. Das verheissene Paradies mit Jobs im Überfluss, billigeren Lebensmitteln und Konsumgütern sowie einem Staatshaushalt, der dank Zolleinnahmen saniert ist, wird kaum schon erreicht oder auch nur absehbar sein. Hingegen sind die Chancen beträchtlich, dass die Republikaner wegen einer Rezession und wuchernder Vernichtung von Wohlstand die Mehrheit in einer oder beiden Kammern des Kongresses verlieren. Ist alles nur Imponiergehabe von Big Boy Bully Trump, und die Zölle werden in ein paar Tagen oder Wochen wieder abgeschafft? Das ist deswegen unwahrscheinlich, weil Trump danach als Bully nicht mehr ernst genommen würde. Zudem verrät die neue Wirtschaftspolitik so viel faktenfreie Gesinnung und Ideologie, dass dahinter ein Überzeugungstäter stehen muss. Dieser betrachtet sich als der grösste amerikanische Präsident aller Zeiten, mit Ausnahme von George Washington... Dieser war Geburtshelfer der USA, Trump hingegen wirkt wie ein unzurechnungsfähiger Brandstifter.
- Unabhängig zur Bewahrung der Sklaverei
Die amerikanischen Gründerväter sagten sich los vom Mutterland Grossbritannien, weil sie die Sklaverei bewahren wollten. Ja, weniger Steuern bezahlen auch, oder jedenfalls nur Steuern, deren Erhebung sie selbst zustimmten. Doch unterschied sich die Kolonie vom Mutterland insofern, als es in Amerika keine Anzeichen dafür gab, dass die Sklaverei als Wirtschaftsform ein Auslaufmodell sei. In Grossbritannien hingegen stand schon seit 1772 ein epochales Gerichtsurteil in den Büchern, das von vielen damaligen Sachverständigen sogleich als Anfang vom Ende der Sklaverei im britischen Imperium verstanden wurde. Zwar dauerte es nochmals rund sechs Jahrzehnte, ehe das Ende tatsächlich eintrat, doch bestand zu jenem Zeitpunkt – in den 1830er Jahren – in den USA nicht die geringste Aussicht auf eine Abschaffung der Sklaverei. Im Gegenteil: Die Südstaaten dominierten die Union institutionell und politisch. Wohl gab es im Norden etliche Gliedstaaten, welche die Sklaverei längst verboten hatten, doch hielten sich alle und jede – auch die meisten Abolitionisten, die aktiv gegen Sklaverei agitierten – an die Doktrin, wonach die Bundesregierung keine Kompetenz hatte, den Gliedstaaten die Sklaverei zu untersagen. Der Konflikt, der letztlich zum Sezessionskrieg führte, entzündete sich an der Frage, ob neue Territorien und Gliedstaaten, die im Westen entstanden, mit oder ohne Sklaverei konstituiert werden konnten. Noch zu Beginn des Bürgerkriegs 1860 hielt sich der frischgebackene Präsident Lincoln an diese Grundregel, wonach Gliedstaaten frei darin waren, die Haltung von Sklaven zu erlauben oder zu verbieten. Zudem profitierten sogenannt freie Gliedstaaten im Norden von der Sklavenwirtschaft, manchmal mit der Teilnahme am Handel mit Sklaven, manchmal dank dem Handel mit Gütern, die von Sklaven produziert worden waren. Fast unnötig zu sagen: Weisse waren Rassisten, auch die meisten Abolitionisten. Es wird kaum je erwähnt, dass die Gründerväter – die meisten von ihnen Südstaatler, manche Sklavenhalter grossen Stils – um die Abschaffung der Sklaverei fürchteten. Klar ist, dass für sie Freiheit und Gleichheit, wie in der Unabhängigkeitserklärung gefordert, nur auf weisse Männer anwendbar war. Nicht auf Schwarze oder Rote, nicht auf Frauen. Keinem dieser Revolutionäre wäre es in den Sinn gekommen, Sklaven beim Akt der Gründung der Vereinigten Staaten zu befreien. Im Gegenteil: Sie verhinderten Formulierungen und Begriffe in der Verfassung, die dereinst zur Abschaffung der Sklaverei hätten verwendet werden können. Das gelang ihnen nur zum Teil. Die amerikanische Verfassung kann als Pro-Sklaverei- oder als Anti-Sklaverei-Dokument gelesen werden. Daher, so könnte man verkürzt argumentieren, war ein Krieg notwendig, um diese Frage zu entscheiden. Dass nach dem Krieg nochmals ein Jahrhundert weitgehend legalen weissen Terrors gegen die Schwarzen folgte, beweist, dass der Text der Verfassung hoffnungslos ambivalent ist, trotz einigen Verfassungszusätzen, die alles hätten klarstellen sollen. Es wäre ahistorischer, «woker» Unsinn, die Gründerväter wegen Rassismus und des Perpetuierens ihrer Eigeninteressen auf den Müllhaufen mit den Bösewichten der Geschichte zu kippen. Ihre Versäumnisse und letztlich ihr Versagen zu benennen und zu beleuchten, ist jedoch unvermeidlich, will man die Ereignisse verstehen. Die amerikanische Verfassung ist für den Tod von Millionen von Personen verantwortlich: Weisse Herren hatten jahrzehntelang das Recht, ungezählte Sklavinnen und Sklaven zu Tode zu arbeiten, und im Bürgerkrieg starben 700'000 oder mehr Personen, um dieses Recht zu schützen oder endlich zu beseitigen.
- Make America white again
Böse und Dumme Früh in meinem beruflichen Leben habe ich gelernt, dass die Aussage: «Schlimmer kann’s nicht werden», falsch ist. Das erfuhr ich damals anschaulich im Sudan, als das Land 17 Jahre Bürgerkrieg hinter sich hatte und versuchte, sich aufzurappeln. Unterwegs im Sudan zu sein, zählte zu meinen mehr abenteuerlichen Reisen als Korrespondent in Afrika, durch endlose Landstriche ohne geteerte Strassen, ohne nennenswerte Regierung, wo der Schalterbeamte in der Bank nicht wusste, wie der Wechselkurs zum Dollar stand, weil die Zentrale 1000 Kilometer weit weg und das Telefon kaputt war. Aber, das erfuhr ich damals auch, die Leute sind im Grunde wunderbar. Es war alles höchst anstrengend und beschwerlich, aber letztlich kein Problem. Immer jemand da, die oder der hilft... Klar, Zeit muss man schon haben, und Geduld, Geduld, dann nochmals Geduld: entspannen, hinnehmen, sich ab- und hineinfinden ins lokale Leben, Tee trinken, immer wieder gut gesüssten Minzentee trinken, und reden, plaudern, erzählen, zuhören, hinhören. Sich nicht stressen lassen, bloss weil man nicht weiss, wann man wo sein oder ankommen wird, sondern sich treiben lassen. Genau dafür müsste man eigentlich auf Reise gehen wollen, nicht wahr? Hier in Amerika ist’s natürlich anders, aber unten oder hinten sind eben doch wieder die Leute, vielleicht nicht gerade wunderbar, ... obwohl, wer weiss, man trifft sie im Naturzustand eher nicht. Man erfährt sie anders, wenn sie mit Mobiltelefon und SUV daher kommen, nicht so elementar wie im Sudan. Und nicht zu wissen, rsp., nicht wissen zu können, wie der Wechselkurs ist, trägt vielleicht zur Lebensqualität bei, obwohl im Sudan von Lebensqualität im herkömmlichen Sinn keine Rede sein kann. Jetzt meint hier jede und jeder, dank X, Facebook, TikTok etc. alles zu wissen, immer. Und dann kommen Kommunikationsgenies wie Trump und viele Podcaster daher, die aufbauschen, verdrehen, lügen, verleumden, ausschlagen, um sich treten... Anfangs mag das für kurze Zeit sogar unterhaltend gewesen sein, aber natürlich längst nicht mehr. Stimmt schon, 49% haben den Orangenen nicht gewählt, aber der Typ ist ja so primitiv, dass er auf seltsame Weise entwaffnend ist. Kein Argument hilft. Wahrheit ist irrelevant, Werte austauschbar. Der Mann ist sich echt und wirklich gewiss, dass er der Beste, Grösste, allwissend Stärkste ist, mit dem Längsten sowieso... Macht korrumpiert, aber besser noch ist der Spruch aus «Dune», wonach Macht die Korrumpierbaren anzieht. Über die Jahre hat Trump ein halbes Universum mit Korrumpierbaren angefüllt, die nun Macht haben. Das heisst nicht – siehe oben über das Natürliche in den Leuten -, dass seine Wählerinnen und Wähler alle in diese Kategorie fielen. Miss Alexis hat Trump nicht gewählt. Sie ist eine Angestellte in einem Recreation Center in Washington, DC. Rec Centers sind städtische Einrichtungen mit Freizeitangeboten für alle. Sie sind unterschiedlicher Qualität, manchmal mit Schwimmbad, Sporthalle, Fitnessraum, Kinderspielplatz, Football-Feld etc., alles öffentlich und gratis, mit Kurs-Angeboten, Computern. Zusammen mit den öffentlichen Quartierbibliotheken bilden die Rec Centers eine für viele Bewohnerinnen und Bewohner essenzielle soziale Infrastruktur. Viele kommen her, um sich aufzuwärmen oder abzukühlen, je nach Jahreszeit. Die 14jährige Tochter von Miss Alexis wurde kürzlich nahe der Rhode-Island-Avenue-Metrostation von 4 Mädchen und 2 Buben spitalreif geschlagen, allem Anschein nach einfach so, zum Spass, sozusagen; Rucksack geklaut natürlich auch. Miss Alexis – eine Schwarze – hat garantiert ihr Leben lang nie auch nur daran gedacht, einen Republikaner zu wählen. So, und nun hat Miss Alexis erfahren, dass hier NICHTS funktioniert. Ihre Worte! Sie ist auf 180!!! Sie wartete im Notfall des hochberühmten hiesigen Kinderspitals 7 Stunden, ehe ihr Kind auch nur aus dem Wartsaal geführt wurde. Eine Klage gegen die Rädelsführerin konnte sie nicht einreichen, da diese minderjährig ist. Wer die Eltern sind, dürfen die Behörden ihr nicht sagen. Die Rädelsführerin trägt einen GPS-Sender am Knöchel, ist somit aktenkundig. Und das in Washington, wo die Demokraten seit dem Big Bang allein regieren. Laut Angaben der Verkehrsbetriebe fahren mehr als 70% aller Passagiere im Bus schwarz. Kein Witz. Kannst man ohne jedes Risiko: Keine Kontrollen, null. In der U-Bahn mussten die Verkehrsbetriebe die Drehkreuze für viel Geld durch Glasscheiben ersetzen, weil so viele Leute sich durchzwängten oder drüber sprangen, um schwarz zu fahren. Man kann immer noch über die mannshohen Scheiben klettern, muss zu diesem Zweck aber erst auf den Automaten steigen. Das geht. Kürzlich gesehen in meiner Station. Auch mit dem Auto geht eigentlich alles; keine Kontrollen, null, nur fixe Kameras, und jeder weiss, wo die sind. Während des Gesprächs mit Miss Alexis musste ich mir dauernd auf die Lippe beissen, um nicht zu sagen: «Now you know why people vote Trump.» Oft eben nicht, weil Trump Trump ist, sondern weil er nicht Biden, nicht Kamala und nicht Hillary ist. Es gibt immer nur zwei zur Auswahl. Und das Dreckspack der Republikaner hat es geschafft, alle und jede Verantwortung für hiesige Zustände auf das Idioten-Pack der Demokraten abzuschieben. Diese sind – so sehen das viele Wählende - primär damit beschäftigt, katholisch-konservativen Latinos einzureden, sie sollten sich nun Latinx nennen, damit die fünf Latino/-a-Transvestiten sich nicht ausgeschlossen und diskriminiert fühlen. Die Angehörigen des Idioten-Packs sind – natürlich vom Dreckspack meinungsmässig verdreht – synonym geworden dafür, dass Männer Frauen im Frauenboxen ko. schlagen dürfen. Sie fechten dafür, dass es gefühlte 7 Geschlechter gibt. Diese «woke» Schrott ist zumindest hier längst bis in die unteren Schulklassen durchgesickert: Zehnjährige Mädchen diskutieren darüber, ob sie lesbisch oder non-binary seien. Man kann sich vorstellen, wie derlei in Gebieten ankommt, die keine liberalen Enklaven sind wie die Hauptstadt... Unter anderem deswegen sind die Demokraten für viele keine Alternative zu den Republikanern. Dann kommt noch der allgegenwärtige Rassismus dazu. MAGA begann unter Obama, und ‘great again’ meinte ursprünglich ‘white again’, im Weissen Haus sowieso, und überhaupt. Davon ist nie die Rede, aber wer angesprochen sein will in dieser Hinsicht, hört die Botschaft seit Obamas Zeiten klar und deutlich. Die Demokraten haben viel zu viel Verständnis für die Schwarzen, in den Augen des Dreckspacks. Dabei gibt es doch schon zwei schwarze Senatoren, einen Demokraten und sogar einen Republikaner: Zwei von hundert: Das muss doch genügen!!! Trump ist der Besen, mit dem viele, die sich seit Jahrzehnten vernachlässigt und beschissen fühlen – ob mit guten Gründen oder ohne -, den Stall ausgemistet sehen wollen. Dabei wissen, behaupte ich, die meisten, dass das mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht gut kommen wird. Doch die destruktive Energie im System ist zu gross, als dass moderates Vorgehen viel Rückhalt fände. Erst mal alles kaputt machen kann so schlecht doch nicht sein!!! Die Amis sind bekannt dafür, sich neu zu erfinden, Neues aufzubauen. So sehen sie sich auch selbst. Daher ist Trump’scher Ramba-Zamba für Viele wenn nicht notwendig, so jedenfalls nicht zum Fürchten. Nicht besonders rational, klar, aber «rational» ist überbewertet oder, genauer gesagt, ein Luxus. Wer sich leichtsinnigerweise daran gewöhnt hatte, versteht zur Zeit die Welt nicht mehr. Andere sehen, was geschieht, als Rückkehr zum Normalzustand

